[Rezension] Alles muss versteckt sein (Wiebke Lorenz)





Titel: Alles muss versteckt sein
Autor: Wiebke Lorenz
Seiten: 349
Format: Taschenbuch
Verlag: Diana
Erscheinungsdatum: 11.11.2013
Preis: 8,99€ (D) Hier kaufen




Steckt in jedem Menschen ein Mörder? In Gedanken hat Marie schon erschlagen, erwürgt, zerstückelt. Die furchtbar realen Gewaltfantasien kommen ohne Vorwarnung und machen ihr unaussprechliche Angst. Doch denken heißt nicht tun. Glaubt Marie. Bis ein grausamer Mord geschieht, der genau dem Horror-Drehbuch ihres Kopfes entsprungen zu sein scheint. Alle halten Marie für eine Mörderin. Auch sie selbst. Sie wird verurteilt, eingewiesen, weggesperrt. Ein junger Arzt hilft ihr dabei, die Wochen vor der Mordnacht zu rekonstruieren, und in Marie wachsen die Zweifel. Ist die Wahrheit noch viel furchtbarer als ihre Fantasie?




Wiebke Lorenz hat so ein Talent für einen guten Thriller! Ich bin schon zum zweiten Mal sehr überrascht :)

Marie ist eine tolle Protagonistin, die ich von Anfang an gern verstehen wollte und die lange auch kein Stück verrückt auf mich wirkte. Mit jedem Kapitel wurde man mehr verwirrt, lernte sie besser kennen und wusste dann was ihre Krankheit ist. Zwangsgedanken.

Zwangsgedanken sind in diesem Buch das große Thema. Ich habe mich unheimlich dafür interssiert was genau das ist und wie Marie davon betroffen ist. Wenn man sich vorstellt, dass Menschen mit Gedanken fertig werden müssen, in denen sie andere verletzen, womöglich sogar genau die Menschen, die sie lieben, dann ist das hart. Zwang wird es nämlich deshalb genannt, weil sie es nicht kontrollieren können und auch niemandem wehtun wollen. So haben sie immer angst ihre Gedanken irgendwann in die Tat umzusetzen. Einfach schlimm.

Den größten Teil des Buches hält Marie sich in der 'Irrenanstalt' auf und verschließt sich zu Anfang vor allem und jedem. Vielen der Leute dort kann man auch gar nicht trauen, weil sie Schadenfreude empfinden, wenn anderen etwas schlechtes passiert. Das fällt mit der Zeit immer mehr auf. Ich hatte zwischendurch auch immer angst, dass Marie vielleicht jemandem etwas antut. Sie wirkte auf mich so gefasst und vollkommen klar. Irgendwas konnte da doch nicht stimmen, oder?

Die Therapiestunden haben dann Klarheit gebracht. Mit ihnen wird man ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, also der Erzählung, hin und herkatapultiert und erfährt was vor dem Unglück, dem Mord an Thomas, passiert ist.
Es war eigentlich ein ganz normales Leben. Zusammen mit den Zwangsgedanken und komischerweise mehr Zufällen als man erst glaubt.

Nach und nach kann der Leser mehr und mehr verstehen warum Marie da ist. Trotzdem merkt man auch, dass sie sich dauerhaft gegen diese Gedanken gewehrt und sie überstanden hat. Vor allem mit der Hilfe von Thomas, ihrem Freund. Dass sie trotzdem genug Gründe hätte eine solche Tat zu vollziehen war offensichtlich. Immer wieder wird in Büchern oder Filmen gezeigt, dass die Eltern sich scheiden lassen oder verrückt werden, wenn das eigene Kind stirbt. Und das ist auch hier der Fall. Marie und Christopher, ihr Exmann, haben ihre Tochter verloren. Und so denkt auch der Leser, dass mehr dahintestecken muss.

Ich war unheimlich überrascht über die vielen Wendungen. Zwar habe ich mitgerätselt und hatte dann wirklich oft recht, habe aber auch gegen Ende nochmal an einer Person gezweifelt, die das nicht verdient hat, weil eben diese Person immer ehrlich war. Hier wird nicht so leicht unterschieden zwischen Richtig und Falsch oder Wahrheit und Lüge. Das macht die Geschichte so spannend. Maries Geschichte ist traurig, spannend und gemein. Man kann sich immer vorstellen wie es wäre sie zu sein und damit fertig werden zu müssen. Die Autorin hat diese Geschichte absolut glaubhaft rübergebracht und es geschafft, den Leser nicht nur zu verwirren, sondern auch mit der Erkenntnis zu schocken, dass Menschen zu vielem fähig sind. Auch wenn das Leben eines anderen dadurch zerstört wird.

Die Nebencharaktere waren auch perfekt! Gerade Christopher, Thomas, Vera, Felix und der Therapeut hatten eine enorm wichtige Rolle für das Buch! Alle waren irgendworan betroffen und man wusste nie, wer was getan hat oder ob überhaupt jemand etwas getan hat.




Ich kann gar kein richtiges Fazit ziehen, ohne zu viel zu verraten.
Die Charaktere waren einfach super, man hatte keine Ahnung wer nun wirklich das denkt, was er vorgibt zu denken und ob derjenige verrückt ist, oder nicht. Gerade an Marie zweifelt man mal, obwohl man ihre Gedanken aus der Ich-Perspektive sieht. Vielleicht hat sie ja wirklich alles vergessen, oder sie dreht durch? Vielleicht kommen die Gedanken zurück?
Bis zum Ende tappt man eigentlich nur im Dunkeln und kann trotzdem bei der tragischen und spannenden Aufdeckung von Maries Geschichte mitfiebern und mitgrübeln!
Wiebke Lorenz schafft einen schockierenden Thriller, der einigen die Augen öffnen und alles in ein anderes Licht stellen kann. Nicht nur die Protagonisten, auch die Idee der Geschichte, die Umsetzung der Psychiatrie und die Zwangsgedanken hat sie gemeistert!
Von mir gibt es 5 Leseschmetterlinge!
An dieser Stelle danke ich dem Diana Verlag für die Bereitstellung eines *Rezensionsexemplars

Kommentare:

  1. Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezension auf meinem Blog verlinkt habe. Du kannst es dir HIER anschauen.

    Alles Liebe, Nelly

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    1. Hallöchen Nelly :) Im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, dankeschön♥

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