[Rezension] Jeden Tag ein bisschen mehr (Louisa Reid)




Titel: Jeden Tag ein bisschen mehr
Autor: Louisa Reid
Seiten: 560
Format: Hardcover
Verlag: Fischer FJB
Erscheinungsdatum: 24.09.2015
Preis: 16,99€ (D) Hier kaufen

Aus dem Englischen von Birgit Maria Pfaffinger





„Ich bin dreimal gestorben, bevor ich das Alter von fünf Jahren erreicht habe. Vielleicht ist ‚krank‘ mein gesund.“

Audrey ist nicht wie andere Mädchen. Sie hat keine großen Träume, sondern wünscht sich einfach nur ein normales Leben. Als sie mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder in ein abgelegenes Haus zieht, nimmt sich der Nachbarsjunge Leo der Neuankömmlinge an. Doch mit Audreys Körper scheint irgendwas nicht zu stimmen. Audrey ist krank, ohne dass ihre Krankheit einen Namen hat. Ihre Mutter und ihr Bruder wollen ihr Bestes, doch was ist das Beste? Für sie? Für die Familie?



Bei diesem Buch bin ich deshalb neugierig geworden, weil es hier um eine Krankheit gehen sollte, die man nicht unbedingt im Kopf hat. Im Nachhinein hat sich das absolut bestätigt und ich bin froh auf dieses Buch gestoßen zu sein :) Nebenbei finde ich das Cover auch noch passend und wirklich schön!

Anfangs fand ich den Schreibstil der Autorin sehr angenehm und außergewöhnlich. Natürlich schwingt das außergewöhnliche auch deutlich mit der Geschichte mit, bei der eben auch ein ungewöhnliches Thema behandelt wird. Trotzdem sticht es enorm aus der Masse heraus. Das hat mich zu Anfang auch etwas verunsichert, weil die 'Krankheit' nie direkt angesprochen wurde.

Ich würde für dieses Buch gern einen Spoiler einbauen, den ich die Personen lesen lassen möchte, die das Buch, aus welchen Gründen auch immer, nicht lesen möchten. So bin auch ich selbst darauf aufmerksam geworden und habe es dann doch gelesen. Ich finde nämlich auch, dass man von dieser Krankheit wissen sollte:
Spoiler!* Die Krankheit um die es geht bezieht sich erstmal nur auf Audrey selbst. Dass es hierbei aber insbesondere um ihre Mutter geht wird erst auf den letzten 100 Seiten sehr deutlich. Die Krankheit ist hierbei das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, bei dem Mütter ihre Kinder 'krank machen' bzw. misshandeln um Aufmerksamkeit für sich selbst zu bekommen. Dabei kann es tatsächlich so weit kommen, dass die Person/das Kind stirbt.*Spoiler Ende!

Obwohl ich vor dem Lesen wusste worum es geht und was eigentlich passiert wurde ich immer wieder verunsichert und dachte, es würde doch noch etwas ganz anderes ans Licht kommen. Ein Schock war es im Nachhinein trotzdem und die Autorin hat wirklich ein Händchen dafür einen erst leichter und dann immer gekonnter und härter an das Thema ranzuführen. Da kam mir tatsächlich die ein oder andere Träne durch pures Mitleiden, was dem Buch eine Schärfe verleiht, die definitiv besonders ist.

Neben der besonderen Art des Schreibens, bzw. Mitteilens dieser Geschichte gibt es noch etwas, das dem Buch das gewisse Etwas verleiht. Die Protagonisten.

Audrey ist definitiv ein Fall für sich. Wo ich anfangs glaubte sie wäre komisch hat sich nach und nach gezeigt warum dem so ist. Erst gegen Ende konnte ich es hundert prozentig nachvollziehen, sehe es jetzt aber auch mit ganz anderen Augen, als während des Lesens. Das Buch ist also gerade beim ersten Lesen unfassbar spannend dadurch, dass man Audrey zwar irgendwo versteht, ihre Gedanken mitbekommt und die Dinge erahnt, ihr aber erst dann ganz nah ist, wenn man vollends versteht, was da eigentlich passiert.

Auch die anderen Charaktere nehmen eine unheimlich präsente Rolle ein. Gerade Leo und Peter schließt man neben Audrey ins Herz und es gibt immer wieder Gründe für Audrey, sich für diese Personen einzusetzen und sich selbst hinten anzustellen. Auch Sue habe ich lieb gewonnen. Audreys Mutter Lorraine akzeptiert man anfangs, findet sie aber nach und nach komischer und irgendwie sehr ungewöhnlich. Warum genau solltet ihr selbst lesen ;)

Was der Autorin auch gut gelungen ist wäre das Thema Tod. Natürlich kommt es bei etwas derartigem mal in den Kopf des Lesers, was einen ziemlich nachdenklich und traurig stimmt. Auch Audreys Mutter spricht das Thema dann immer öfter an und es wird extrem deutlich, dass der Tod mit jeder Seite wächst. Da fragt man sich: wird er auch wieder schrumpfen?

Ich kann eigentlich gar nicht viel mehr sagen. Eigentlich reicht es kurz und knapp zu erwähnen, dass ihr das Buch lesen solltet. Irgendwie öffnet es einem die Augen für Dinge, die einem scheinen, als wüsste man davon, tut es aber eigentlich nicht. Außerdem lebt das Buch durch außergewöhnliche Charaktere, die im Nachhinein noch lebhafter wirken.



Dieses Buch ist in meinen Augen nicht unbedingt etwas für schwache Nerven, allerdings genau das Richtige für diejenigen unter euch, die gern etwas über Krankheiten erfahren und es hautnah miterleben möchten. Die Autorin weiß, wie man den Leser fesselt und es nicht zu offensichtlich macht. Ich habe bis zum Ende mit Audrey, Peter und Leo mitgefiebert und erst 100 Seiten vor Ende einen Aha-Moment erlebt. Selbst wenn ihr wisst worum es geht werdet ihr hinters Licht geführt und durch Story und Charaktere verwirrt, weil sie, jedenfalls auf mich, erstmal unecht wirken, irgendwie anders als normale Personen, anders als man selbst. Trotzdem baut man unbewusst eine Beziehung zu ihnen auf und obwohl man erst denken könnte die Geschichte könnte so nie stattfinden wird einem spätestens am Ende klar: Das kann sie doch. Nun ergibt alles einen Sinn.
Denn das tut es. Hat man das Buch gelesen wird klar, warum die Autorin diese Gedanken für die zwei Protagonisten Leo und Audrey, aus deren Sicht wir alles beschrieben bekommen, gewählt hat. Sie möchte es nicht zu offensichtlich, den Leser neugierig machen und ihm dann ganz bewusst zu zeigen: Das ist es!
Mir hat das Buch wirklich so gut wie perfekt gefallen und ich kann es einfach nur weiterempfehlen. Bis auf den ein oder anderen Gedanken fand ich das Buch top! Klare 4,5 Leseschmetterlinge von meiner Seite.
An dieser Stelle bedanke ich mich beim Fischer FJB-Verlag für das *Rezensionsexemplar :)








Kommentare:

  1. Ich habe das Buch heute früh beendet und es haut wirklich um... Allerdings hat mich der Ausgang nicht ganz so erstaunt, ich habe schon etwas in die Richtung geahnt... ^^

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    1. Was ich am Ausgang so überraschend fand war, dass die Gedanken ganz andere waren. Dadurch, dass man am Anfang im Dunkeln getappt ist und plötzlich wusste worum es ging war es eine ganz andere Art des Erlebens :) Das Ende habe ich auch ähnlich erwartet, wobei ich es auch irgendwie traurig fand :D

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  2. Huhu :-)
    Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat. Das Buch bleibt definitiv im Gedächtnis^^
    Liebe Grüße

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    1. Oh ja, das auf jeden Fall :) Gut, dass du das unterschreiben kannst.

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