[Interview] mit Christina Stein

Hallo alle zusammen!

Es ist wieder Zeit für ein Interview und diesmal hatte ich das Glück Christina Stein, der Autorin von Wonderland, ein paar Fragen stellen zu dürfen.

Über die Autorin





Christina Stein, geboren 1978 in Bonn, studierte Archäologie und Kunstgeschichte und arbeitet im Marke­ting einer großen Firma. Für ihre Kurzge­schich­ten und ihr Ro­man­debüt wurde sie mehrfach aus­gezeichnet.














 Interview

1. Meine erste Frage ist: Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ich beobachte gerne. Schaue mir die Welt und die Menschen darin genau an. Gleichzeitig ziehe ich mich in meine Gedankenwelt zurück. Ich mag also beides: Nähe und Distanz.
Ich muss immer irgendetwas gestalten. Wenn ich nicht schreibe, wusele ich im Haus herum, sortiere die Dinge um mich herum neu. Ich bin ungeduldig und forme in Gedanken ständig neue Projekte.

2. Wann hast du angefangen zu schreiben und wann ist dir klar geworden, dass du genau das machen willst?  
Ich wusste schon sehr früh, dass ich schreiben möchte. Schon als Kind fing das an (das ist wahrscheinlich „der Klassiker“ bei vielen Autoren). Das Schreiben war schon immer ein Rückzugsort. Es verursachte immer dieses Kribbeln, diesen Drang, neue Geschichten zu entdecken und sich in sie hinein zu fühlen. Wenn man einmal danach süchtig ist, hört das nicht mehr auf. Man wird allenfalls dabei gebremst. Durch das Studium beispielsweise, währenddessen habe ich mich ganz darauf fokussiert. Und man trifft auch immer wieder auf Menschen, die sagen: Das ist doch so schwer, das wird nichts. Das sind die bekannten „Zweifler“. Damit muss man dann lernen, umzugehen. Das muss man ausblenden und geduldig sein.

3. Was machst du, wenn du nicht schreibst? 
Ich lese natürlich, schaue aber auch gerne Serien oder gute Filme. Ich brauche also immer "erzählerischen Stoff", den ich exzessiv konsumieren kann. Ansonsten verbringe ich gerne Zeit mit der Familie und Freunden.

4. Was hältst du selbst von deinen Geschichten? Man hört ja oft, dass der Autor selbst seine Bücher gar nicht immer so gut findet wie die Leser. Wie geht es dir dabei? 
Natürlich stehe ich den eigenen Texten sehr kritisch gegenüber. Ich möchte mich ja weiterentwickeln und nicht still stehen. Deswegen finde ich zum Beispiel einen Austausch über eine Leserunde bei Lovelybooks, bei der man direkt mit dem Leser in Dialog tritt, sehr interessant. Ansonsten gibt es natürlich auch immer wieder Momente, in denen man den Laptop am liebsten an die Wand schmeißen würde. Zum Beispiel, wenn man ein richtig gutes Buch liest, an dessen Niveau man eh nie heranreichen wird. Das ging mir erst kürzlich so mit der „Bücherdiebin“. Sagenhaft gut.


5. Wirst du von bestimmten Dingen oder Personen inspiriert oder kommen deine Ideen einfach so? Wie schreibst du deine Ideen und Geschichten dann auf? Weißt du direkt wie alles ausgehen soll oder schreibst du einfach drauf los? 
Ich weiß nie 100% genau, wie eine Geschichte ausgeht. Manchmal bin ich selbst total überrascht und habe das Gefühl, dass jemand neben mir steht und schreibt. Bei Wonderland war es z.B. diese Szene mit Diabolus im Auto (Achtung Spoiler!). Als er plötzlich auf Deutsch antwortet. Das hatte ich so nicht geplant, sondern habe es beim Schreiben einfach ausprobiert. Ich finde es eine total gruselige Szene.
Ich entwickele meistens ein einzelnes Bild weiter, eine Art Momentaufnahme. Die baue ich zu einem groben Plot aus, den ich dann pitche. Hinzu kommt die Prämisse des Buches. Das ist beides fast der schwierigste Teil: Also das, was man aussagen will, jeweils in zwei Sätze zu fassen. Ich konzipiere dann sehr lange und ausführlich, oft bis zu drei oder vier Monaten. Trotzdem kann man sich während des Schreibens ja noch gedanklich treiben lassen.


6. Wie schaffst du es den Schreibprozess durchzuziehen und nicht mittendrin abzubrechen? Gab es schon einmal einen Moment in dem du gedacht hast, dass du es nicht schaffst? 
Ja klar, solche Momente gibt es oft. Einen großen Teil von Wonderland habe ich im Winter geschrieben. Draußen war es eisig, keine Sonnenstrahlen zu sehen. Da hing ich manchmal schon depressiv in der Ecke rum. Trotzdem hab ich weitergemacht. Die Liebesgeschichte hat mir Kraft gegeben und die Vorstellung, dass ein Mensch, der eigentlich todkrank ist, zum stärksten Charakter des Buches wird.


7. Wie lange dauert das Sammeln deiner Ideen und der Schreibprozess selbst bis hin zum fertigen Buch? 
Ungefähr ein bis anderthalb Jahre.


8. Wie entstand die Idee zu "Wonderland"? Gab es bestimmte Filme oder Nachrichten, die dich inspiriert haben? 
Die Arena bei den Tributen von Panem fand ich schon inspirierend. Mir gefiel einfach dieser Schmelztiegel, dass die Figuren aus einem Areal nicht rauskönnen. Bei Wonderland ist es auf andere Weise extrem, weil sie sich gegenseitig opfern müssen.
Grundsätzlich finde ich es schrecklich, dass manche Menschen von einem auf den anderen Tag verschwinden, einfach so. Wahrscheinlich behandele ich in dem Buch eine meiner Grundängste.

9. Wie bist du auf den Namen Wonderland gekommen? 
Der erste Satz des Buches „Es ist ein Ort, den du nur einmal im Leben betrittst“ sagt schon sehr viel über die Geschichte aus. Die Protagonistin, Liz, rutscht ja wie Alice im Wunderland in diese Welt hinein. Daher der Name. Das Wunderland ist zu Beginn etwas außergewöhnlich Schönes. Später dann nicht mehr. 

10. Wie würdest du dich in einer Situation wie die deiner Charaktere verhalten? 
Viel „machen“ kann man da ja nicht. Wenn man sich wehren kann, so wie Jacob, hat man vielleicht noch den Mut zu kämpfen. Ansonsten kann ich die Gedankengänge von Liz schon nachvollziehen, dass sie es selbst beenden will, bevor sie von diesen Männern abgeholt wird. Aber dann kämpft man wahrscheinlich trotzdem, wenn man ja Familie hat, für die es sich lohnt.


11. Könntest du dir eine Verfilmung deines Buches vorstellen? 
Absolut! Die Geschichte lief auch sehr filmisch vor mir ab. So muss das auch sein. Ich schreibe gerade auch an einem anderen Roman. Da freute ich mich einmal schon morgens: „Ach, schön, heute Abend schaue ich den Film weiter, den ich gestern angefangen habe…“ Gleichzeitig stellte ich dann fest, dass ich gar keinen Film angefangen hatte, sondern einen Roman. Mein (verwirrtes) Gehirn hatte das irgendwie verwechselt.

12. Kannst du dir vorstellen irgendwann keine Ideen mehr zu haben? 
Eigentlich nicht. Ich habe nur Angst davor, immer zu ähnlich zu schreiben. Immer die gleichen Metaphern zu verwenden oder so. Und ich denke, es ist auch wichtig, sich mit den Büchern Zeit zu lassen. Sie müssen reifen, wie Kinder.
 
13. Ist bereits ein weiteres Buch in Arbeit, auf das wir uns freuen dürfen? 
Ja klar, aber ich weiß noch nicht, was der Verlag dazu sagt. Deswegen kann ich leider noch gar nichts verraten ;-)
 
14. Welches sind deine Lieblingsbücher? 
Die Bücherdiebin hatte ich ja schon erwähnt. Ich bin auch ein großer Fan von Walter Moers, Jonathan Safran Foer, Hans-Josef Ortheil. Es gibt viele tolle Autoren. Was Thriller betrifft: Zoran Drvenkar und Tana French.

Vielen Dank für dieses Interview liebe Christina :) 


Das Buch

Mit einem Klick auf das Buch kommt ihr zu meiner Rezension zu Wonderland

http://everyones-a-book.blogspot.de/2016/09/rezension-wonderland-christina-stein.html

Klappentext
Sie machen eine Reise ins Paradies. Und landen in der Hölle auf Erden.
Thailand. Sonne, Palmen, eine Villa direkt am Strand. Der perfekte Urlaub! Doch als Lizzy am Morgen nach einer Strandparty aufwacht, ist sie gefangen. Mitten im Dschungel, mit ihren besten Freunden – und mit Jacob. Jacob, den keiner von ihnen richtig kennt, und der sie auf diese verdammte Strandparty eingeladen hat. Nur wegen ihm sind sie in einem Reality Game gelandet, in dem es nur schwarz oder weiß gibt, verlieren oder gewinnen, opfern oder geopfert werden.
Wer sind die Player in diesem Spiel? Was haben sie vor? Und welche Rolle spielt eigentlich Jacob? Lizzy hat keine Ahnung. Sie weiß auch nicht, wie lange sie ohne ihre Herzmedikamente überleben kann. Sie weiß nur eines: Die Gruppe muss bis morgen entscheiden, wer von ihnen das nächste Opfer sein wird.

Wie hat euch das Interview gefallen? :)




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